Alles nur ein Spiel?

Es muss etwas aufregendes sein, was sie unendlich heiß macht und mich am besten auch. Filmen ist gut, ja filmen, da stehe ich irgendwie drauf. Ich filme uns einfach heimlich. Die Idee ist doch super!

Sieben Tage sind nun vergangen seit unserem letzten Treffen. Die Welle der Ausgeglichenheit hat mich bis zum heutigen Tag getragen. Bisher hatte ich keine Ahnung von der Existenz derartiger Gefühle. Normalerweise wird mein Leben von permanenter sexueller Unterforderung dominiert.

Eine Freundin meinte einmal, ich sei „stark untervögelt“ und das traf es wirklich am besten. Das Verrückte daran ist, dass es sich um einen unstillbaren Hunger handelt. Je mehr ich esse, desto hungriger werde ich. Nach unserem letzten Treffen war es völlig anders. Ich hatte nicht das Gefühl, dass ich danach noch etwas erleben muss und war im Einklang mit mir und mit meiner Sexualität.

Mittlerweile ist eine Woche vergangen und meine Ausgeglichenheit scheint sich wieder zu verabschieden. Die süße Taxifahrerin Alea ist am Montag bei mir im Handyladen aufgetaucht und hat sich sehr ausführlich zu einem Handytarif beraten lassen. Sie konnte sich nicht entscheiden und ich war noch so satt vom Wochenende, dass ich meilenweit entfernt davon war, mit ihr zu flirten.

Und nun ist wieder Wochenende. Freitagabend und morgen am Samstag habe ich frei. Was soll ich mit der geschenkten Zeit anfangen? Mit Catherina Kontakt aufnehmen? Das habe ich aufgegeben. Sie hatte die Macht, sie allein entschied darüber, ob und wann sie etwas von mir wollte. Ich beschließe, die Wohnung aufzuräumen, um mich zu zerstreuen.

Ich sauge und schrubbe, wasche Geschirr und Wäsche und träume dabei vor mich hin.

Beim Aufräumen meiner Kleidung fällt mir die viel zu enge kurze Hose in die Hände. Das wirkt, als würde jemand einen Knopf bei mir drücken. Ich erinnere mich sofort an das gemeinsame Essen im Biergarten und an Catherinas Fuß, der meine pralle Männlichkeit massiert.

Ich ziehe die Hose ohne Unterhose an und habe das gleiche Gefühl wie damals. Viel zu eng im Schritt und mein „Großer“ will unbedingt noch größer werden. Ich bin schon total geil, aber bevor ich es mir in aller Ruhe selber mache, zögere ich den Moment hinaus.

Ich quäle mich ein bisschen, indem ich mich dazu zwinge, in meinem Zustand das Badezimmer zu putzen.

Es zwickt mich gehörig im Schritt, während ich auf Knien den Boden aufwische. Ich weiß gar nicht, warum ich auf einmal so unendlich heiß bin. Voller Vorfreude schrubbe ich den Boden besonders schnell und gründlich, mache mich danach noch an die Dusche. Nach einer kleinen Ewigkeit ist das Bad sauber und ich begebe mich in absoluter Hochstimmung auf den Weg ins Bett.

Noch schnell im Wohnzimmer vorbeischauen, am PC den „Bolero“ von Ravel starten und einen Blick aufs Handy werfen. „Biep… biep“. Eine Nachricht! Jetzt doch nicht! Oder doch? Ich bin gespalten: Zum einen will ich den Druck loswerden, andererseits bin ich viel zu neugierig. Was tun?

Natürlich siegt die Neugierde. Ich schaue nach und lese: „Bereit für die Wahrheit?“

Ich setze mich hin und atme tief durch. Catherina hat wieder den passenden Zeitpunkt erwischt. Hat sie etwa in meiner Wohnung Kameras installiert? Ich gehe zum Laptop und klebe die Webcam mit einem Post-it zu. Hilft nichts, ich bin heiß und will wieder was erleben.

Dieses Mal habe ich mehr das Gefühl von Selbstbestimmung und Sicherheit. Ich schreibe zurück: “Ja gerne, willst du vorher noch spielen?“

Gespannt starre ich auf mein Handy. Nichts passiert! Ich beginne, in meinem Wohnzimmer Kreise zu ziehen wie ein Hamster im Laufrad. Der Bolero wird von Whitesnake abgelöst. Nach unendlich langer Zeit kommt die Antwort: „Was spielen?“ Das ist eine gute Frage, denn ich habe keine Ahnung, was ich hier anzettle. Ich nehme meinen Mut zusammen und schreibe: „Überraschung, morgen 13.00 Uhr bei mir.“

Jetzt rast mein Puls und ich habe keine Ahnung, warum. Quatsch, ich weiß es genau. Durchflutet von Adrenalin, gehe ich ins Schlafzimmer und befreie mich von meiner Hose und dem Druck, der in mir aufgestiegen ist.

In der Nacht schlafe ich fast nichts. Zu aufgekratzt bin ich, zumal eine Stunde nach meiner Nachricht an Catherina auf meinem Handy ein schlichtes „o.k.“ aufploppt.

Am nächsten Morgen fühle ich mich wie gerädert und schleppe mich zur Kaffeemaschine, um irgendwie auf Touren zu kommen. Oje, schon 9.15 Uhr. Was mache ich nur?

So sehr meine Gedanken auch rattern, es kommt nichts
Sinnvolles dabei heraus. Ich habe keinen Plan, was ich mit meiner süßen Catherina heute Abend anstellen könnte.

Ich beziehe erst einmal das Bett frisch und denke dabei nach. Irgendwie bin ich ziemlich langweilig, fällt mir auf. Ich habe keinen Fetisch, keine speziellen Vorlieben. Vielleicht wäre etwas mit Fesseln gut, denke ich, verwerfe es aber gleich wieder, weil es doch zu banal ist.

Oder eine feuchte Nummer mit Bier, wie in der Werbung für Schöfferhofer, „das so schön prickelt in meinem Bauchnabel“.

Was für ein Unsinn!. Es muss etwas Aufregendes sein, etwas, das sie unendlich heiß macht und mich am besten auch. Filmen ist gut, ja, filmen, da stehe ich irgendwie drauf. Ich filme uns einfach heimlich. Die Idee ist doch super! Aber filmen wobei? Oh Gott, ich habe nur noch ein paar Stunden Zeit.

In einem Forum habe ich neulich etwas über Rollenspiele gelesen, wie zum Beispiel „Lehrer und Schülerin“. Das ist allerdings ein echtes „No go“ für mich. Ich käme mir unendlich albern vor und würde vor Lachen zusammenbrechen.

Ich stelle ein paar Kerzen im Wohnzimmer auf und lasse die Rollläden herunter. Lächerlich, jetzt stehe ich im Dunkeln. Die Kerzen brennen ja noch nicht. Ich bin wie benebelt, meine Gedanken rasen wie ein Kettenkarussell und es kommen immer nur die gleichen blöden Ponys und Feuerwehrautos vorbei.

Essen, richtig. Essen ist gut. Ich schmeiße mich in meine Klamotten und gehe zum Discounter an der Ecke.

Vielleicht komme ich so wieder runter. Ich renne, obwohl ich es nicht eilig habe. Das Laufen tut richtig gut und meine Anspannung sinkt auf ein erträgliches Maß.

Ein Dreier? Eine neue Idee schleicht sich in mein Bewusstsein. Wie würde es Catherina wohl gefallen, wenn ich noch jemanden dazu hole? Geile Idee, lache ich. Nur kenne ich erstens leider niemanden, den ich dazu holen könnte, und zweitens würde ich ihn erschlagen, sobald er sie anfasst.

Ich betrete den Discounter und bleibe gleich beim Sushi hängen. Sushi sind super, die müssen mit. An der Fischtheke kaufe ich leckere, frische Crevetten und lasse mir gleich 300 Gramm einpacken.

Dann noch französisches Weißbrot, eine Knoblauch-Sauce, eine Flasche Gran Reserva und Vanillepudding für den Nachtisch.

Ich trage meine Tüten aus dem Geschäft und mir fällt auf, dass ich zwar vieles habe, aber noch kein Programm für danach.

Ich schaue auf die Uhr und bin beruhigt, dass ich noch mehr als eine Stunde Zeit habe. Eigentlich war ich noch nie im Sexshop, der ist doch gleich um die Ecke? Zuhause mache ich mich sowieso verrückt, warum also nicht ein bisschen inspirieren lassen?

Also nichts wie hin an die Ecke und schnell, ohne mich umzusehen, rein in den Laden. Der Verkaufsraum ist gar nicht so schmuddelig und verraucht, wie ich vermutet habe. Es ist ein heller Laden mit allerlei bunten Dingen. Wie in einem Spielzeugladen sieht es aus, wobei der Vergleich ja nicht so weit her geholt ist.

Ich entdecke riesige Regale mit Porno-DVDs undDildos, schlendere durch die SM-Abteilung mit ihren Klemmen, Fesseln, Peitschen und Knebeln, besuche auch die Bücherabteilung und nehme den Bereich für hoch erotische Dessous in Augenschein.

Wenn ich hier nichts finde, wo sonst? Trotzdem ist es nicht so einfach, wenn man nicht weiß, wonach man sucht. Ich schnappe mir einen Einkaufskorb aus Kunststoff und schleiche schüchtern noch einmal durch alle Abteilungen. Der Laden ist quasi leer und ich frage mich, wovon die hier ihre Miete bezahlen.

Als erstes landet eine große Tube Gleitcreme im Korb. Kann nützlich sein, denke ich. In der SM-Abteilung schaue ich nur kurz vorbei, irgendwie finde ich das Zeug ein bisschen abartig, wenn auch durchaus erotisch. Ich wähle eine Packung Fesseln aus der Kategorie „Soft“. Und Klettarmbänder, damit kann ich sie an den Handgelenken oder Füßen fixieren.

Dazu kommt noch eine schwarze Augenbinde in den Korb. Stell sie dir wie eine Schlafmaske vor. Das sieht nicht so bescheuert aus wie ein Halstuch um den Kopf zu wickeln. Noch dazu bin ich mir bei Halstüchern nie sicher, ob sie wirklich blickdicht sind.

Ich habe Spielzeug, aber noch immer keinen Plan und kaufe einfach vor mich hin. In der Abteilung mit Vibratoren bleibe ich nur staunend stehen. Kaum zu glauben, was es für riesige Modelle gibt. Werden die wirklich benutzt, oder nur auf Frauen-Polterabenden verschenkt? Grüne Dildos, rote, bunte, große, kleine, runde, als vibrierende Kugeln und als surrende Eier, dazu Keuschheitsgürtel, Gummipuppen und Analstöpsel in allen Größen. Mit und ohne Fernbedienung.

„Hilfe, ich bin überfordert!“ möchte ich schreien. Ich pflücke einen süßen, pinkfarbenen Silikon-Anal-Plug aus dem Regal, denn etwas Ähnliches habe ich schon in einem Porno gesehen. Nach wie vor planlos, schleiche ich zur Kasse. Diese ist besetzt wie in einem Hollywoodfilm, mit einem Kaugummi kauenden, gelangweilten, gepiercten und tätowierten jungen blonden Mädel.

Sie macht mit dem Kaugummi Blasen. Leicht verschämt lege ich mein rotes Schmuddel-Körbchen auf die Theke und werfe noch einen Blick auf die Quängelware: Kondome mit Noppen, Brustwarzen-Klemmen, Schlüsselanhänger mit Gummibrüsten. Alles, was die Welt nicht braucht. Plötzlich fällt mein Blick auf ein laminiertes weißes Schild: „Sybian-Verleih, tageweise. Fragen Sie das Personal.“

Vor Jahren habe ich im Internet einmal Videos gesehen, in denen ein Kerl geile Mädels dafür bezahlte, dass sie so etwas ausprobierten.

Dabei wurden sie dann gefilmt. Für ein Liebes-Spielzeug ist der Sybian ziemlich groß und unförmig, es handelt sich um einen stabilen Ledersattel, aus dessen Mitte ein Dildo herausragt. Dieser kann sich drehen und so heftig vibrieren, dass einem als Mann angst und bange wird.

Die Intensität der Vibrationen wird über eine Fernbedienung mit zwei Drehknöpfen geregelt. Und was mich an dem Pornofilm damals so faszinierte, war, dass die Mädels auf dem Ding unglaubliche Orgasmen hatten.

Sie schrien und jauchzten, weinten und lachten, alle jenseits ihrer Lustgrenze. Letztlich hatte es für mich aber den Beigeschmack von Werbung und bin mir keinesfalls sicher, dass auch nur einer der Orgasmen real war.

Mit hochrotem Kopf schleppe ich den Sybian im braunen Lederkoffer und die Einkäufe aus den zwei Läden die Straße entlang und die Treppen hinauf in meine Wohnung.

Dort werfe ich meine Beute erst einmal in den Flur. Ein Blick auf die Uhr, es wird knapp.

Nur noch eine Viertelstunde bis 13.00 Uhr. Also wuchte ich den Sybian ins Schlafzimmer, packe ihn aus und stelle ihn in die Mitte des Bettes. Die Einkäufe stopfe ich in den Kühlschrank und ab geht’s unter die Dusche. Ich rasiere mich schön glatt, oben wie unten. Das heiße Wasser ist eine Wohltat. Die Anspannung in mir steigt wieder, das Duschen dauert keine fünf Minuten und ich trockne mich schnell ab.

Dann flitze ich ins Schlafzimmer, steige in die Jeans und ziehe ein grünes T-Shirt über, renne ins Wohnzimmer und starte eine Playlist mit „Softies“. Schnell noch Zähne putzen und schon klingelt es an der Tür. Habe ich etwas vergessen? Keine Ahnung, ich drücke den Öffner und schätze, das Catherina für die drei Stockwerke zirka vierzig Sekunden benötigt. Ich öffne die Tür und unvermittelt steht sie schon vor mir.

Wie immer lächelt sie mich freundlich und offen an. Sie trägt eine knallenges schwarzes Trägertop und eine blaue, leicht verwaschene Jeans.

Obwohl wir verabredet sind, fühle ich mich wie überrumpelt. Sie sagt einfach nur: “Hallo, unten war offen. Darf ich rein kommen?“ und blickt mich fragend an.

Ich glaube, ich laufe knallrot an. Verlegen lächle ich zurück und mache ihr den Weg in meine Wohnung frei. Der Flur ist von Cindy Laupers „Girls just wanna have fun“ erfüllt. Ich frage mich, wie das Lied in die Playlist geraten ist, aber irgendwie passt es zu Catherinas wippenden süßen Hintern, der sich erotisch Richtung Wohnzimmer bewegt. Let the games begin! Wir nähern uns dem Finale! Gibt es ein Happy End oder nicht?

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