Erste lustvolle Wellen

Ich schlafe unruhig und bin angeheizt, ohne dabei richtig scharf zu sein. Mancher würde jetzt vielleicht denken, an so einem Tag musst du es dir doch schön selbst besorgen!

Ich schlafe unruhig und bin irgendwie angeheizt, ohne dabei richtig scharf zu sein. Mancher würde jetzt vielleicht denken, an so einem Tag musst du es dir doch schön selbst besorgen! Nein, denn ich schwimme in Adrenalin und nicht in purem Testosteron. Ich kann versichern, das ist ein feiner Unterschied.

Morgens um vier komme ich auf die Idee, heute unter einem Vorwand einfach in die Apotheke zu gehen. Ist doch eine Überlegung wert, oder? Jetzt ist es aber wirklich genug! Wieder rein in den Schlaf, bitte! Beginnend von einhundert zähle ich mit jedem Atemzug runter: Neunundneunzig, neunundachtzig… Mist… verzählt… wieder von vorne… neunundneunzig…. achtundneunzig… bei siebenunddreißig schlafe ich endlich ein.

Bei der Arbeit am nächsten Tag mache ich eine Pause von fünf Minuten. Richtig, ich muss in die Apotheke. Keine Idee, was ich kaufen soll. Allein die Chance, einen nächsten Blick auf Catherina zu erhaschen, treibt mich schon den ganzen Morgen an.

Es ist wieder fürchterlich heiß und ich betrete verschwitzt den Kühlraum mit seinen frostigen Temperaturen. Oh nein, heute ist nur eine Angestellte anwesend, Typ „Mama“ mit strenger gerader Frisur. Ich schätze sie auf Mitte fünfzig. Damit will ich aber auf keinen Fall andeuten, dass ich etwas gegen ältere Frauen hätte.

Wir werden alle älter, aber etwas enttäuscht bin ich schon: Ich wollte doch einen Blick auf mein Fantasie-Girl werfen.

Da ich nun einmal hier bin, frage ich einfach nach Massageöl. Umgehend ergießt sich ein Schwall von Informationen über mich. Vom Typ „Nuss“ über Bio bis Natur, von Preis bis Duft bekomme ich eine kompetente Beratung. Ich entscheide mich für das teure Bio-Öl von Klosterfrau – man ist ja markenbewusst – und überlege mir auf dem Weg zur Kasse, ob ich mich damit heute Abend einreibe und es mir einfach mal genüsslich selber mache.

Plötzlich, wie herein geschlichen, sehe ich aus dem Augenwinkel Catherina von hinten zu einem Regal laufen. Sie behandelt mich wie Luft und räumt etwas in die Schubladen der dortigen Schrankwand.

Ihren knackigen Hintern streckt sie mir dabei direkt ins Blickfeld. Wieder trägt sie diese kurze Jeans und das knallenge, schlichte Shirt. Dass sie mich nicht beachtet, verunsichert mich noch mehr. Hurra, bevor sie im Hinterzimmer verschwindet, würdigt sie mich wenigstens eines Blickes. Ein Blick – ha!

Kein Lächeln, nichts Ermutigendes, rein gar nichts. Genauso, als wäre ich ein normaler Kunde. Ich bin mir nicht mehr sicher, mit wem ich gestern geschrieben habe. Eigentlich unmöglich, dass sie es war, oder? Vollkommen irritiert katapultiert mich die automatische Tür hinaus, in gefühlte fünfundvierzig Grad.

Verwirrt durch die Energie in der Apotheke, bringe ich den Tag hinter mich und gehe auf die Minute genau nach Hause, um ein leckeres Essen zu zelebrieren. Gute Küche hilft mir immer noch am besten dabei, meine Balance zurück zu gewinnen.

Ich zaubere mir Kabeljau auf Basilikum-Tomaten-Gemüse, mit Ziegenkäse gratiniert. Dazu gönne ich mir Blattspinat mit Zwiebeln und Sahne, verfeinert mit Kurkuma und etwas Chilipulver.

Sehr exquisit, kann ich nur sagen. Das Kochen lenkt mich angenehm ab und bringt mich auf andere Gedanken. Wunderbar, das Leben hat mich wieder!

Ich habe gerade die Hälfte gegessen, da macht es wieder biep… biep! Ansatzlos schießt mein Puls hoch. Ich bekomme einen Schweißausbruch und im Nu ist meine gerade erst zurückerworbene Gelassenheit dahin. Soll ich zuerst in Ruhe zu Ende essen oder die Nachricht gleich lesen? Ich lese sie sofort.

Sie: „Spielen?“
Ich: „Klar.“
Sie: „Altes oder neues Spiel?“

Was ist das denn? Ich bin doch ohnehin schon auf 180, aber natürlich will ich mehr davon. So viel Adrenalin bis ich platze, bitte!

Ich: „Wie geht das Neue?“
Sie: „Erst entscheiden, dann spielen.“

Boah, die traut sich was. Ist es Catherina aus der Apotheke oder doch jemand anderes? Ich bin mir überhaupt nicht mehr sicher.

Ich: „Gut, dann das neue Spiel.“

Ich bin verrückt! Ich kann doch gar nicht wissen, was mich erwartet. Irgendwie gebe ich gerade ein wichtiges Stück Kontrolle ab.

Sie: „Gut, wo wohnst du?“
Ich: „Haierweg 13.“
Sie: „Du kommst in die Rehlingstraße 14, 3. Stock, bei Peters. Die Tür bleibt ab jetzt genau fünfzehn Minuten lang angelehnt. Danach ist sie verschlossen! Du kannst es mit dem Fahrrad schaffen. Und bring das Massageöl mit!“

Was für ein Hammer! Sie heißt also Catherina Peters. Ich starte Google Maps und checke. Shit, die Betaversion sagt: „15 Minuten mit dem Fahrrad“. Schon für das Suchen habe ich bestimmt schon eine Minute verschwendet.

Na warte, dir werde ich es zeigen. Ab ins Bad, schnell gepinkelt, den Mund gespült und los. In Flip-Flops stürme ich die Treppe hinunter, dann merke ich, dass ich das Massageöl vergessen habe. Wieder zwei Stockwerke hoch, diesmal barfuß und schnell immer zwei Stufen auf einmal, zack zack. Mundspülung ins Waschbecken spucken, Massageöl gegriffen und mit richtig Tempo wieder die Treppen runter.

Im Flur schnappe ich mein Rad und los geht’s. Wie ein Besessener trete ich in die Pedale. Ich kenne den Weg und mit der Anstrengung verfliegt auch das Adrenalin. Ich habe einmal gelesen, wenn man vor einer Rede oder Prüfung aufgeregt ist, soll man Treppen steigen. Nun gut, ich erziele den gleichen Effekt mit dem Fahrrad. Keine Ahnung, wie viel Zeit ich schon verloren habe, aber ich gebe mein Bestes.

Ich rase über eine rote Ampel, ein Auto hupt. Was soll das? Hat der Fahrer denn gar kein Verständnis? Es geht hier um Leben und Tod! Vor meinem inneren Auge sehe ich eine Wohnungstür zuschnappen. Nein, bitte nicht!

Krachend und scheppernd fliege ich geradezu über den Bordstein. Ich erreiche die Rehlingstraße. Wo ist um Himmels willen Hausnummer 14? 8…10…12. Da ist sie.

Ich lehne das Fahrrad an die Wand und finde die Eingangstüre offen. Catherina hat wohl eine Streichholzschachtel zwischen Tür und Zarge platziert.

Ich werfe mich gegen die Tür. Barfuß nehme ich zwei Stufen auf einmal und fliege fast die drei Stockwerke hoch.

Rehlingstraße 12 ist ein Altbau mit Holztreppenhaus. Ich nehme sogar die Hände zu Hilfe und ziehe mich zusätzlich am Geländer hoch. Endlich bin ich am Ziel, dritter Stock.

Hier gibt es zwei Wohnungstüren, beide verschlossen. „Kann nicht sein!“ stöhnt es in mir, während ich die Namen lese. Kein „Peters“ dabei. Ich renne eine Etage höher, in purer Verzweiflung, als ginge es um alles. Im vierten Stock erreiche ich eine Türe, die nur angelehnt ist. Ich schaue auf das Namensschild: Peters! Innerer Jubelschrei! Ich bekomme kaum mehr Luft und stoße die Türe auf…

0 Kommentare zu “Erste lustvolle WellenSchreib etwas →

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.