Rendezvous der Seelen

Als ich aufwache, liegt Catherina neben mir in meinen grauen Bademantel aus Seide eingewickelt. Sie riecht frisch geduscht und streichelt zärtlich meine Haare.

Als ich zu mir komme, liegt Catherina neben mir, eingewickelt in meinen grauen Bademantel aus Seide. Sie riecht frisch geduscht und streichelt zärtlich meine Haare. Was für ein Erlebnis! Der Scheinwerfer ist aus und langsam werde ich wach. Wir küssen und streicheln und liebevoll, sind ganz eins. Als wir uns in die Küche aufmachen, schiebt sich irgendetwas zwischen uns. Es fühlt sich an wie ein kühler Luftzug, der unsere Zweisamkeit unterbricht.

Sie schaut provozierend zwischen meine Beine. Klein-Jordan springt vor lauter Freude in die Höhe. „Was sie alles kann“, denke ich. Hungrig verpacke ich mein bestes Stück in die Jeans. Dann brate ich wortlos in der Küche die Crevetten in Knoblauch an, schneide das Weißbrot auf und öffne die Flasche Rotwein.

Schweigend dippen wir die Crevetten in Knoblauch und Ma-yon¬nai¬se, schieben sie einander in den Mund. Wir lecken uns gegenseitig die Finger ab, wie es nur Verliebte tun und genießen dabei den fruchtigen Wein. Draußen dämmert es schon und ich denke, es muss eine halbe Ewigkeit vergangen sein, seit sie meine Wohnung betreten hat.

Befriedigt und gesättigt räume ich den Tisch ab. Catherina fragt mich melancholisch: „Bist du jetzt bereit für die Wahrheit?“ Ich schlucke und weiß nicht, ob ich es bin, aber bleibt mir eine Alternative? Ich sage einfach nur „Ja“ und setze mich ihr gegenüber. Sie fragt weiter: „Kennst du das Spiel, das Kinder spielen, bei dem sie sich ununterbrochen in die Augen schauen? Keiner darf dabei wegschauen und am besten auch nicht blinzeln“.

„Klar, das kenne ich“, antworte ich verwundert.

„Gut, dann spielen wir das jetzt und wenn du meine beiden Augen nicht mehr sehen kannst, konzentriere dich nur auf das linke“, fügt sie klar und überzeugend hinzu. „Ist gebongt“, sage ich und finde das Ganze etwas befremdlich, lasse mich aber darauf ein.

Da sitzen wir uns nun gegenüber. Ich schaue in Catherinas blaue Augen, erforsche ihre Pupillen, ihre Wimpern, jedes kleine Fältchen um die Augen.

Ich liebe diese Augen und betrachte jede kleine Schattierung, jede Färbung und jede Ungleichmäßigkeit. Als ich glaube, alles in mich aufgesogen zu haben, beginne ich von vorn. Die Augen von innen nach außen und wieder von außen nach innen. Ab und zu muss ich blinzeln, aber nur selten.

Catherina hält ihren Blick klar und ausdauernd auf mich gerichtet. Ich frage mich langsam, was das für einen Sinn haben soll? Unruhig rutsche ich auf meinem Hintern hin und her. „Lange halte ich das nicht mehr aus“, denke ich und bleibe doch sitzen. Ich nehme ihr linkes Auge in den Fokus und schaue ganz tief in die Iris. Es kommt mir ein bisschen albern vor, aber je länger es dauert, umso ruhiger werde ich. Mein Atem fließt ruhig, während ich in dieser schwarzen Pupille versinke. Wir atmen synchron. Es fühlt sich für mich an, als säßen wir schon ein, zwei Stunden hier, auch wenn es erst zehn Minuten sein mögen.

Plötzlich trifft mich ein helles Blitzen aus der schwarzen Iris. Wenn man lange auf einen dunklen Punkt schaut, kommt es zu optischen Täuschungen, das ist mir bewusst.

Da wieder, ein heller Blitz in der tiefschwarzen Iris! Und dann wird die Iris hell, so hell wie eine Taschenlampe, heller und heller. Das Licht fließt in Form eines Bandes auf mich zu. Ich sehe nur noch das Licht, kein Auge, keine Falten, nur noch Licht.

Ich fühle intuitiv, dass Catherina das Gleiche sieht. Aus dem Licht kristallisieren sich zwei weiße Bänder, die eng umschlungen miteinander zu tanzen scheinen. Wie riesige weiße Tücher umkreisen sie einander, vereinen sich eng und fließen erneut auseinander. Wieder und wieder umschlingen sich die Bänder innig. Tränen der Rührung rinnen aus meinen Augen wie aus himmlischen Quellen.

Noch nie ist mir eine derartig überirdische Schönheit zuteil geworden. Im tiefsten Inneren berührt weiß ich, dass ich einen Teil unserer beiden Seelen sehe. Wie sie tanzen, spielen, sich entfernen und unentschlossen wieder vereinen.

Sie tanzen zu einer klassischen Musik, die nicht von dieser Welt zu sein scheint. Sie küssen, streicheln, und necken sich. Dann bäumen die Lichtbänder sich ein letztes Mal auf, trennen sich und verschwinden wieder in unseren Augen.

Es ist vorüber. Ich blicke nochmals in Catherinas mit Tränen gefüllte Augen. In diesem Moment wissen wir beide: „Das war es, es ist vorbei.“

Sie und ich sind nicht dafür geschaffen, unser Lebenslied gemeinsam zu singen, unseren Lebenstanz miteinander zu erschaffen. Nicht auf Dauer, nicht auf dieser Welt, nicht auf dieser Ebene der Realität. Es ist unendlich traurig! Allerdings nicht nur traurig, sondern auch einzigartig schön.

Ich bin erfüllt von tiefer Dankbarkeit, dass ich all dies erleben durfte. Wie heißt es so treffend: „Anstatt zu klagen, dass die Rosen Dornen tragen, freue dich darüber, dass die Dornen Rosen tragen!“

Wir küssen uns ein allerletztes Mal unter Tränen. Dann dreht sie sich um und geht für immer aus meinem Leben.

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